Entstehungsgeschichte und Selbstdarstellung

Die Schuldnerberatung ist ein relativ junges Gebiet innerhalb der Sozialen Arbeit. Sie wurde zu Beginn der 80er Jahre mit wenigen Schuldnerberatungsstellen eingeführt und seitdem ständig ausgebaut. Die Anzahl der ver- und überschuldeten Privathaushalte stieg zu dieser Zeit kontinuierlich an und erforderte eine Reaktion vonseiten der Sozialen Arbeit, aber auch des Staates. Die mit Schulden einhergehenden Problematiken (u. a. Sozialhilfebezug) haben in den darauffolgenden 10 Jahren dazu geführt, dass immer mehr Kommunen, Wohlfahrtsorganisationen sowie private Organisationen ein Beratungsangebot für diese Haushalte bereithalten; sei es nun als spezialisierte Schuldnerberatung, sei es als integrierte Dienste in anderen Beratungsangeboten. Heute arbeiten deutschlandweit in ca. 1.100 Schuldnerberatungsstellen rund 1.700 BeraterInnen.

Mit der Einführung des Verbraucherinsolvenzverfahrens (mit anschließender Restschuldbefreiung) im Jahr 1999 sind die Anforderungen an die Beratungskräfte im juristischen Bereich nochmals erheblich gestiegen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung wurde bereits im Mai 1986 mit dem Ziel gegründet, den Austausch von Informationen sowie die Aus-, Fort- und Weiterbildung der BeraterInnen zu strukturieren, systematisieren und qualifizieren. Gleichzeitig bestand ein Bedarf, die sozialen Bedingungen der Überschuldeten zu analysieren und professionelle Standards – nicht nur im Hinblick auf individuelle Problemlösungen, sondern auch mit Einbezug wirtschaftlicher und sozialpolitischer Bedingungsgefüge - zu entwickeln.

Die BAG-SB steht für die ganzheitliche Betrachtungsweise der Überschuldungssituation in der Bundesrepublik Deutschland. Das heißt, in den Blick kommen nicht nur die individuelle, psychosoziale und ökonomische Situation der betroffenen Personen, sondern auch die gesetzlichen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Hintergründe, die mit der Ver- und Überschuldung im Zusammenhang stehen.

Die Position der Ganzheitlichkeit kommt durch die vielfältigen Berufsgruppen der Mitglieder der BAG-SB zum Ausdruck. In der BAG-SB sind alle mit dem Problem der Ver- und Überschuldung befassten Berufsgruppen repräsentiert, z. B. aus den Bereichen: Sozialarbeit, Ökonomie, Rechtsberatung, Pädagogik, Ökotrophologie, Psychologie, Kreditwirtschaft und Verwaltung. Sie arbeiten in freien gemeinnützigen Vereinen, bei Kommunen, in Verbraucherzentralen und bei Wohlfahrtsverbänden. Die BAG-SB als übergeordnete Organisation ermöglicht es, Verbindungen zu knüpfen und zu erhalten.

Die BAG-SB ist unabhängig von politischen Parteien, Konfessionen, Verbänden oder anderen gesellschaftlichen Institutionen. Sie kooperiert mit allen in der Schuldnerberatung wichtigen Institutionen und ist als gemeinnütziger Verein anerkannt.